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 Medikamentenabhängigkeit

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BeitragThema: Medikamentenabhängigkeit   Di Okt 30, 2012 10:11 pm

Medikamentenabhängigkeit



Medikamentenabhängigkeit - wie kommt es dazu?




Autorin: Dr. Doris Wolf, Diplom-Psychologin




Die meisten Menschen denken bei Sucht an Alkoholabhängigkeit oder Drogenabhängigkeit. Doch auch Medikamente können zunächst zu einer psychischen Abhängigkeit, bei längerer Einnahme aber auch zu einer körperlichen Abhängigkeit führen. Diese Abhängigkeiten kommen schleichend.

Etwa 2 Millionen Deutsche schlucken täglich Psychopharmaka. Frauen und ältere Menschen sind die Hauptkonsumenten. Die Mehrheit der medikamentenabhängigen Frauen konsumiert zusätzlich noch Alkohol. Auch Schulkinder setzen bereits Medikamente ein, um ihre Schulangst und damit einhergehende Kopf- und Bauchschmerzen zu reduzieren. Weibliche Jugendliche nutzen zudem Schmerzmittel, um ihre Regelschmerzen zu behandeln.

Die vom Arzt am häufigsten verordneten Psychopharmaka sind die Benzodiazepine (Tranquilizer) wie z.B. Valium und Lexotanil. Sie werden hauptsächlich zur Dämpfung von Angst- und Spannungszuständen eingesetzt und führen bereits nach kurzer Zeit der Einnahme zu einer Abhängigkeit.

Stark im Ansteigen ist die Abhängigkeit von Schlafmitteln. Momentan sind über 2 Millionen Menschen schlafmittelabhängig, Tendenz stark steigend. Ursachen von Einschlafstörungen und Behandlung von Schlafstörungen.

In den letzten Jahren werden zunehmend Antidepressiva, Neuroleptika (die erheblich mehr Nebenwirkungen haben: Bewegungsstörungen, Mundkrämpfe, Zittern) und pflanzliche Therapeutika verschrieben.

Wie kommt es zur Medikamentenabhängigkeit?
In einer Krisensituation bekommen wir z.B. gegen Angstgefühle oder Schlafprobleme vom Arzt Medikamente verordnet. Statt an den psychischen Ursachen der Angst oder der Schlafprobleme anzusetzen, nehmen wir die Tranquilizer oder Schlafmittel monate- oder gar jahrelang und entwickeln so erst eine psychische Abhängigkeit und dann eine körperliche Abhängigkeit.
Wir glauben, unseren Alltag nur bewältigen zu können und den Anforderungen nur gewachsen zu sein, wenn wir Medikamente nehmen. Deshalb fordern wir selbst von unserem Arzt Tabletten, um besser mit Stress, Schmerzen und Ängsten umgehen zu können. Eine gefährliche Haltung. Psychopharmaka setzen nie an den Ursachen seelisch bedingter Probleme an und können diese deshalb auch nicht heilen.
Wir besorgen uns rezeptfreie Schlaf- und Beruhigungsmittel über die Apotheke oder das Internet. Da sie frei verkäuflich sind, gehen wir davon aus, dass sie ungefährlich sind. Aber auch harmlos erscheinende Mittel wie etwa ein codeinhaltiger Hustensaft und Appetitzügler können uns bei längerer Einnahme abhängig machen und/oder körperlich schaden.

Welche Gefahren gibt es bei der Medikamenteneinnahme?
Es kommt zu einer Gewöhnung und/oder Dosissteigerung.
Es kommt zu einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit. Wir glauben, ohne Tabletten nicht mehr „normal“ funktionieren zu können.
Durch die Tabletten werden keine Probleme gelöst, sondern wir verspüren nur nicht mehr die damit einhergehenden negativen Gefühle und körperlichen Symptome.
Die Tabletten verstärken beim Absetzen genau die Symptome, deretwegen sie ursprünglich eingenommen wurden: Beim Absetzen von Beruhigungsmitteln verspüren wir dann z.B. ständige Unruhe und innere Spannungen mit Herzklopfen, Schweißausbrüchen und Zittern.
Beruhigungs- und Schlafmittel haben eine sehr lange Wirkungszeit. Ein um 22 Uhr eingenommenes Schlafmittel führt beispielsweise noch am nächsten Morgen zu einer Senkung der Reaktionsbereitschaft und Schläfrigkeit. Mehr zur Einnahme von Medikamenten bei Schlafstörungen.
Die Einnahme von Kopfschmerzmitteln, insbesondere von Kombinationspräparaten (von denen Sie die Finger lassen sollten) führt zu erheblichen körperlichen und psychischen Gesundheitsschäden, in erster Linie zum sog. medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz. Diesen gehen wir dann wieder mit genau den gleichen Präparaten an, was mit der Zeit dann zur weiteren Verschlimmerung der Schmerzen führt.
Die dauernde Einnahme von Medikamenten kann auch zu körperlichen Schäden wie etwa Durchblutungsstörungen, Nierenschäden und Magen-Darm-Geschwüren führen. Auch Depressionen können hierdurch ausgelöst werden.
Bei vielen älteren Menschen besteht die Gefahr zur Verwahrlosung, weil sie durch die längere Einnahme der Psychopharmaka gleichgültig werden. Ebenso steigen die Unfall- und Sturzgefahr.
Medikamente heilen keine Krankheiten. Sie beseitigen die Symptome, aber nicht die Ursache der Beschwerden. Das ist, wie wenn in Ihrem Wagen das Warnlicht für einen zu geringen Motorölstand blinkt, und in der Werkstatt klemmt man einfach die Leuchtdiode für das Warnlicht ab. Das Symptom ist weg, die Ursache besteht weiterhin. Auch Sie klemmen Ihre Warndiode für Schmerz ab, wenn Sie Schmerzmittel nehmen. Die Ursache für Ihre Schmerzen wird nicht behoben.

Wie lange darf man Psychopharmaka einnehmen, bis man abhängig wird?

Dazu kann man keine allgemeingültigen Angaben machen, da dies von persönlichen körperlichen und seelischen Merkmalen sowie der Zusammensetzung der Medikamente mitbestimmt wird. Mit zunehmendem Alter verändert sich jedoch der Hirnstoffwechsel und die Suchtgefahr nimmt zu. Als kritische Grenze gilt für Benzodiazepine ein Verordnungszeitraum von über 3 Monaten. Manche Psychopharmaka machen jedoch auch schon nach vierwöchiger Einnahme süchtig.



Alarmsignale, dass Sie medikamentenabhängig sind
Schläfrigkeit bis in den späten Vormittag
Dauerkopfschmerzen nach der Einnahme von Schmerzmitteln
häufige Stürze
Sie müssen die Dosis der Medikamente steigern, um die erwünschte Wirkung zu erzielen.
Sie holen Ihre Rezepte von verschiedenen Ärzten, damit keiner weiß, wie viele Medikamente Sie nehmen.
- Sie haben Angst, Ihr Arzt könnte Ihnen die Medikamente eines Tages nicht mehr verschreiben.
- Sie wechseln den Arzt, wenn er Ihnen die Medikamente nicht (mehr) verschreibt,
- Sie kaufen Ihre Medikamente in verschiedenen Apotheken.
- Sie haben sich von Ihrem Umfeld zurückgezogen.
- Sie nehmen schon länger als 4 Wochen Schlaf- oder Beruhigungsmittel.
- Sie verheimlichen die Einnahme von Medikamenten vor anderen.
- Sie legen sich heimlich eine Reserve von Medikamenten an.
- Sie nehmen die Medikamente länger oder in höherer Dosierung als von Ihrem Arzt verordnet.
- Sie tragen vorsorglich immer einige Beruhigungstabletten bei sich.



Wie einer Medikamentenabhängigkeit entgegenwirken?

Wir sollten kritischer mit der Einnahme von Medikamenten umgehen. Wir sollten unseren Arzt fragen, was es an anderen Möglichkeiten als der Tabletteneinnahme gibt. Beispielsweise können wir ein Entspannungsverfahren erlernen oder unsere seelischen Probleme in Beratungsgesprächen bei einem Psychologen bearbeiten.

Geben Sie Ihre Selbstverantwortung nicht an der Praxistür des Arztes ab. Nach Ansicht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm werden sehr viele Patienten von ihren Ärzten regelrecht in die Sucht getrieben, da die Ärzte Medikamente zu lange verordnen.

Außerdem sollten wir den Arzt informieren, wenn unsere Schlafstörungen oder die Kopfschmerzen im Zusammenhang mit einer momentanen seelischen Krise (einer Trennung, einem drohenden Arbeitsplatzverlust, Konflikten in der Partnerschaft, dem Tod eines Angehörigen etc.) stehen. Wir sollten uns in Erinnerung rufen, dass Psychopharmaka nicht heilen und uns mehr auf unsere Fähigkeiten, selbst für das körperliche und seelische Gleichgewicht etwas tun zu können, besinnen.

Videoinformationen zum Thema Medikamentenabhängigkeit - Eine Betroffene berichtet

Was tun, wenn Sie glauben, medikamentenabhängig zu sein?

Es ist bereits ein wichtiger Schritt, dass Sie die Erkenntnis zulassen, möglicherweise ein Problem mit Tabletten zu haben. Machen Sie sich deshalb keine Selbstvorwürfe. Sie sind mehr oder weniger unbewusst und unverschuldet in dieses Problem hineingeraten. Sie können sich wieder aus der Abhängigkeit befreien. Dies geschieht meist durch eine schrittweise Senkung der Medikamentendosis und sollte immer unter ärztlicher Aufsicht geschehen.

Notieren Sie sich zunächst ehrlich und offen, welche Tabletten in welcher Menge Sie täglich nehmen und seit wann Sie Tabletten einnehmen. Dann nehmen Sie schnellstmöglich Kontakt mit Ihrem Hausarzt, einem Psychiater oder einer Suchtberatungsstelle auf.

Befinden Sie sich in einer aktuellen Krisensituation, sollten Sie einen Psychotherapeuten kontaktieren. Auch eine Selbsthilfegruppe kann Ihnen weiterhelfen.

Selbsthilfegruppen gegen Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit bei Nakos

Geben Sie sich die Chance, zu lernen, Ihr Leben ohne Tabletten zu meistern.


Quelle: http://www.palverlag.de/medikamentenabhaengigkeit.html
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